Hoppenrade – ein Schloss fernab der Wahrnehmung

Warum wählt eine gewinnorientierte Organisation wie die DKB Schloss und Gut Liebenberg für ihre Prestigeprojekt? Warum liegt das benachbarte Schloss Hoppenrade – ebenfalls eines der „Fünf Schlösser“ noch immer im Dornröschenschlaf?

Ein Grund mag sein, dass Liebenberg viel schillernder erscheint. Geschichtsträchtiger und mit den bekannteren und bedeutenderen – ja charaktervolleren – Persönlichkeiten in Verbindung stehend. Hoppenrade derweil war schon zu Fontanes Zeiten in Vergessenheit geraten – „rätselhaft“ und „verwaist“, niemand wahnte zu dieser Zeit im Schloss Hoppenrade. Ein Anwesen, dessen sich bei Fontanes erstem Besuch im Jahr 1861 nicht einmal die Dorfbewohner richtig erinnern konnten und der Chronist musste in die Ferne des Schlosses Lützburg in Ostfriesland reisen, um seine Erkenntnisse einer Familienchronik der Knyphausens zu entreißen.

Ein „verwunschenes Schloss“, dessen Geschichte so geprägt ist von unglücklicher Existenz. Dem Erbschaftsstreit der alten Familie von Bredow mit der Krautentochter. Elliot und Knyphausen und Arnstedt – so wechselhaft die Namen der Unglücklichen waren, so tragisch war der Verfall von Hoppenrade.
Während die Portugiesen „Saudade“ besitzen und die Quinta das Lágrimas in Coimbra eines der Bauwerke ist, welche dies verkörpern, könnten die Märkischen „Hoppenrade“ zum Ausgangspunkt eines ähnlichen Gefühls der Melancholie prägen.

Doch Melancholie lässt sich nicht gut vermarkten und so glänzt nun Liebenberg ungeachtet seiner schizophrenen Ader im Lichte der markteuphorischen Wahrnehmung.

Nach dem Ende des letzten Weltkrieges musste die zuletzt ansässige Familie von Werthen den Besitz verlassen.
In der Zeit der DDR waren im Schloss unter anderem der Gemeinderat und Gemeindesaal, ein Jugendclub, ein Konsumladen, eine Kneipe und die Obstannahmestelle untergebracht.

Dann waren Schloss und Park Hoppenrade in den Privatbesitz eines Berliner Geschäfzsmannes aus der Werbebranche. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wurde dem acht Hektar großen Park ein Teil seines historischen Gesichtes wiedergegeben. Wege, Pflanzungen, Teiche und Wiesenräume wurden wiederhergestellt. Ein Teil war öffentlich zugänglich, jedoch wurde auch ein Teil abgetrennt und das Schloss selbst kann nicht besichtigt werden. Lediglich für Hochzeiten, Feste und Empfänge konnte es gemietet werden.

Ob es jedoch als Hochzeitsschloss taugt ist angesichts seiner Geschichte fraglich. Denn auch in dieser Verwendung zeichnet sich eine gewisse Tragik ab. Im Sommer 2009 ehelichte im Schloss der bereits mit der Krebs-Diagnose konfrontierte Regisseur Christoph Schlingensief seine Mitarbeiterin Aino Laberenz. Ein Jahr später verlor er den Kampf gegen den Lungenkrebs.

Hoppenrade schlummert weiterhin und wartet auf die Renaissance der Melancholie.

Im Oktober 2012 hat das Hoppenrader Schloss erneut den Besitzer gewechselt. Die Trauungen in der Kapelle und dem Anwesen der von Bredows sollen in der Zukunft dort nicht mehr möglich sein.
Noch ist nichts über den neuen Besitzer bekannt. Er soll jedoch ein neues Konzept verfolgen [*].

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