Glienicker Brücke – Von der Abkürzung zum Mittelpunkt des Kalten Krieges

Kaum eine Brücke kann auf eine solch abwechlungsreiche und auch spannende Geschichte zurückblicken, wie die Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die erste Glienicker Brücke als Holzkonstruktion errichtet. Eine kleine Holzbrücke, die für den Adel aus Potsdam eine Abkürzung vom Schloss zu ihren Jagdgebieten war.

Mehr als einhundert Jahre später bekam der Brücke ein noch wichtigere Aufgabe. Die Strecke des Postverkehrs zwischen Berlin und Potsdam wurde derart gelegt, dass die Route über die Glienicker Brücke verlief. Dem rasant ansteigendem Verkehr war sie bald jedoch nicht mehr gewachsen, so dass eine neue Holzkonstruktion errichtet wurde. Dies war eine Zugbrücke, die in der Mitte geteilt und nach oben gezogen werden konnte, um auch größere Schiffe passieren lassen zu können.

Auch diese zweite Brücke wurde dem immer weiter wachsendem Verkehrsaufkommen bald nicht mehr gerecht. Und so wurde im Jahr 1831 erstmals an dieser Stelle eine Steinbrücke errichtet. Sie wurde von Karl Friedrich Schinkel entworfen, der zu dieser Zeit preußischer Hofarchitekt war.

Im Jahre 1906 wurde mit dem Bau der heute bekannten Eisenbrücke begonnen. Bereits ein Jahr später wurde diese eingeweiht und erhielt den Namen „Kaiser-Wilhelm-Brücke“. Bedingt durch den Ausbau der Reichsstraße 1 (der heutigen Bundesstraße 1), die über die Brücke führte, wurde sie 1937 um 4.50 m verbreitert.
In den letzten Kriegstagen wurde die Glienicker Brücke teilweise zerstört.

Nach Kriegsende wurden vorerst nur Provisorien gebaut, um hier einen Übergang über die Havel zu ermöglichen. Der wirkliche Wiederaufbau begann im Jahr 1947. Nach 2 Jahren konnte die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Doch der freie Verkehr dauerte nicht lange an, lag sie doch direkt an der Grenze zwischen der DDR und West-Berlin.
Ab 1952 wurde sie erst für den privaten Autoverkehr gesperrt. Fußgänger benötigten ab dieser Zeit eine Sondergenehmigung für die Überquerung. Die komplette Sperrung für den zivilen Verkehr erfolgte im Juli 1953.
Aber die Glienicker Brücke sollte einen Platz in den Geschichtsbüchern finden. Bis 1989 wurden hier 3 mal Agenten zwischen dem Ostblock und den Westmächten ausgetauscht.

1962 wurde der in den USA gefangengenommene sowjetische Spion Rudolf Iwanowitsch Abel gegen den über der Sowjetunion abgeschossenen amerikanischen Aufklärungspiloten Francis Gary Powers ausgetauscht.
1985 erfolgte ein hauptsächlich vom DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel ausgehandelter Austausch von 25 politischen Gefangenen der DDR gegen 4 von der CIA verhaftete Spione statt. Dies war der größte bekannte Agentenaustausch.
Noch einmal versammelten sich Abgeordneten beider Machtblöcke im Februar 1986, um 4 Gefangene aus dem Osten gegen 5 Spione, die in westlichen Gefängnissen saßen zu tauschen.

Einen Tag nach dem Mauerfall am 9. November 1989 wurde die Glienicker Brücke wieder für den allgemeinen Verkehr geöffnet und ist es bis heute.

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