Tegeler Hafen

Im Jahr 1907 eröffnet war der Tegeler Hafen zunächst ein Industriehafen. Tegel war mit der Ansiedelung von Borsig stark industrialisiert. Aber auch im Umland entstanden vermehrt industrielle Betriebe. Im Jahr 1908 wurde daher der Tegeler Hafen mit einem eigenem Eisenbahnanschluss verbunden. Die Fracht wurde mit Lastkähnen direkt in Güterwaggons umgeladen.

Am Hafen endete die Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde. Insgesamt wurden mehr als 100 Betrieben entlang der Strecke tversorgt. Einzelne Unternehmen hatten hauseigene Anschlüsse, andere wiederum nahmen die Waren an den zehn Güterbahnhöfen entgegen.

Die Verbindung der Industriebahn zum Tegeler Hafen ist unter anderem durch den Bau der A 111 und den Umbau des Gebiets Schloßstraße /Karolinenstraße allerdings nicht mehr zu erkennen.

Nach dem Mauerbau versank der Tegeler Hafen in der Bedeutungslosigkeit. Seine Ufer waren nur noch Brache.

In den jahren zwischen 1985 und 1988 entstand die postmoderne Bebauung des Gebietes am Tegler Hafen. Im Rahmen der Internationalen bauausstellung (IBA) entstand das Ensamble nach Plänen der kalifornischen Architekten Charles W. Moore, John Ruble und Buzz Yudell. Weitere beteiligte Architekten waren Poly, Steinebach, Weber, Stern, Tigerman, Portoghesi, Grumbach und Hejduk, Bangert, Jansen, Scholz und Schultes.

Allerdings entstand im wesentlichen nur der Teil der Wohnbauten – vom ursprünglich projektierten Kulturzentrum ist lediglich die Humboldt Bibliothek an der Karolinenstraße nach Entwürfen von Charles W. Moore verwirklicht worden. Sie ist heute die Zentralbücherei des Bezirks und hat eine Hauptnutzungsfläche von 2820 m². Ein geplantes Freizeitzentrum auf der künstlichen Insel ist in den Schubladen verschwunden.

Die Bibliothek am östlichen Rand des Hafenbeckens ist ein langgestreckter Baukörper mit hohen Rundbogenfenstern an der Stirnseite, die an eine Fabrikhalle erinnert. Im Inneren der sehr hellen Halle ist die Stahlkonstruktion gut sichtbar.

Die Wohnbebauung am südlichen Teil des Hafenbeckens besteht im wesentlichen aus sieben „Stadtvillen“ mit jeweils vier bis sechs Wohnungen, drei „Wohnschlangen“. Ein zentraler, halbkreisförmiger „Wohnhof“ von Moore, Ruble und Yudell vervollständigt das Wohnviertel. Insgesamt entstanden 351 Wohnungen – allesamt im Sozialen Wohnungsbau.

Aktuell entstehen am Tegler Hafen ein Altenheim und weitere Wohnhäuser. Es sollen drei viergeschossige Häuser mit insgesamt 36 Eigentumswohnungen und ein sechsgeschossiges Pflegeheim mit 112 Appartements und 36 Wohnungen gebaut werden.

Die Wohnlage ist heute attraktiver denn je, denn vorsichtige Modernisierungen haben den Wert der Wohnungen am Tegler Hafen gesteigert.

Im April 1997 wurde am Flachwasserbecken vor der Bibliothek das Humboldt-Denkmal des Bildhauers Detlef Kraft installiert. Die Besonderheit an diesem Denkmal ist, dass bei ihm die Gebrüder Humboldt auf einem gemeinsamen Podest stehen. Es ist das einzige Denkmal das beide Brüder darstellt.

Am Eingang zum Hafen, vom Wasser aus gesehen, überspannt die Tegeler Hafenbrücke, im Volksmund „Sechserbrücke“ genannt, die Mündung des Tegeler Fließes. Es handelt sich um eine Fussgängerbrücke aus dem Jahr 1909.

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