Schloss & Gut Liebenberg

Eines der „Fünf Schlösser“ Theodor Fontanes – und heute vieleicht das sehenswerteste in dieser Reihe.
Während der bekannte Chronist und Wanderer der Mark im wesentlichen die Zeit der Hertefelds – und damit im weitesten Sinne die Zeit der Napoleonischen Kriege – beschrieb, spielte Liebenberg auch in späterer wilhelminischer Zeit (Stichwort Harden-Eulenburg-Affäre) und während der NS-Zeit (Stichwort Libertas Schulze-Boysen und die Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“) eine Rolle.

Im Löwenberger Land liegt Liebenberg. Der Ort hat 243 Einwohner (Stand Herbst 2010). Kulturelles Zentrum des Ortes ist das Schloss Liebenberg das ab dem 15. Jahrhundert entstand. Das Gutsdorf Liebenberg wurde 1269 als „Liwenberg“ erstmals urkundlich erwähnt und liegt in einer landschaftlich reizvollen Gegend, nahe dem Naturschutzgebiet „Liebenberger Bruch“.

Im Jahre 1487 war Liebenberg im Besitz der Familie von Burgsdorff und gehört seit dem 17. Jahrhundert der Familie von Hertefeld. Es war war auch für zwei Jahrhunderte der Sitz der Adelsfamilie von Bredow. Durch Verschuldung kam das Gut nach dem Konkursverfahren in den Besitz der Familie von Hertefeld und später durch Erbfolge an die von Eulenburgs. Der Gutshof mit dem Schloss und der daran anschließenden Kirche bilden das Zentrum des Dorfes.

Das Schloss wurde später durch Theodor Fontane beschrieben. Das Schloss und die zugehörigen Gebäude wurden originalgetreu und liebevoll restauriert, erstrahlt das Schloss heute in historischem Glanz. Es beherbergt Hotel- und Tagungsmöglichkeiten sowie ein Restaurant. Zum Schloss gehören neben dem Herrenhaus das Seehaus am Große-Lankesee, Gutsanlagen und einen Landschaftspark nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné. Ein bekannter früherer Hausherr war Philipp zu Eulenburg (1847–1921), der in Liebenberg auch Kaiser Wilhelm II. zur mehrmaligen Kaiserjagd empfing.

Unter seiner Enkelin Libertas Schulze-Boysen traf sich während des Zweiten Weltkrieges die Widerstandsgruppe Rote Kapelle im Seehaus. Nach 1945 wurde Liebenberg Mustergut und Erholungsstätte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Heute beherbergt das von der Stiftung für gesellschaftliches Engagement der Deutschen Kreditbank (DKB) restaurierte Schloss ein Hotel, Restaurant und Tagungszentrum. Die Hauskapelle des Schlosses erhielt 1994 den Namen Libertas-Kapelle. Zwei Gedenktafeln erinnern dort an ihre Ermordung 1942.

Im Jahr 1996 wurden Schloss und Gut durch die Treuhand zum Kauf ausgeschrieben. Die Einwohner des Dorfes durften ihre Häuser erwerben. „Der Rest” wurde von der Deutschen Kreditbank (DKB -hervorgegangen aus der Staatsbank der DDR) übernommen. Mit der Gründung einer DKB Stiftung für gesellschaftliches Engagement wurde auch die Verantwortung für Denkmalschutz, Kultur und Ausbildung in Liebenberg formuliert.

Schloss und Gut wurden in der Folgezeit liebevoll und recht originalgetreu restauriert. Das Schloss beherbergt nun ein Hotel und Tagungsmöglichkeiten sowie ein Restaurant. Von der Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf den „inneren“ Schlosspark, der nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné angelegt wurde. Bei einem Ausflug an schönen Tagen ist insbesondere die „Teatime“ mit bemerkenswerter Kuchenauswahl zu empfehlen.

Vorher sollte man jedoch einen ausgedehnten Spaziergang auch durch die äußeren Parkanlagen unternehmen. Hier bietet sich ein Rundgang vorbei an der Rosenburg (eine als Ruine konstruierte Burg mit historischen Anlehnungen), in Richtung Knappentor an. In unmittelbarer Nähe des letzteren befindet sich auch das Grab Botho Sigwart zu Eulenburgs, eines damals recht bekannten Komponisten. Von dort geht es durch die äußeren Parkanlagen, wobei man häufiger die Entwässerungsgräben kreuzt, mit denen das Gebiet erst landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden konnte, bis man das Seehaus erreicht. Vom Seehaus kommt man über den Philippsweg durch das Dorf Liebenberg zurück zum Gut Liebenberg.

Einen Blick sollte man hier auf die Nebengebäude werfen. Neben einem Agrarmuseum, Tierställen und einem Geschenkeladen findet man insbesondere die Feldsteinkirche markant hervorragen.
Geschichtsinteressierte sollten das Museum besuchen, das im Inspektorenhaus untergebracht ist. Aktuell wird dieses ausgebaut und so wird vermutlich die Dokumentation von Schloss und Gut nach der Fertigstellung noch umfangreicher werden.

Denn dies wäre aktuell der einzige Kritikpunkt an diesem wunderschönen Flecken: Während die heute vorteilhaft erscheinenden Seiten der Geschichte von Schloss und Gut relativ ausführlich dargestellt werden, erfährt man recht wenig über die homoerotische Verwicklung des Philipp zu Eulenburg und des Liebenberger Kreises in der Harden-Affäre. Ebenso findet die Tatsache kaum Erwähnung, dass Libertas Schulze-Boysen (der im übrigen die Kapelle im Schlossgebäude gewidmet ist) in ihrer Entscheidung gegen die NS zu rebellieren konträr zum Schlossherren stand, der – und ihm im Gefolge fast das gesamte Dorf Liebenberg – im Jahr 1933 zu Anhängern der NSDAP wurde und daran auch festhielt.

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