Philipp zu Eulenburg

Vor mehr als 100 Jahren wurde das wilhelminische Kaiserreich durch die Harden-Eulenburg-Affäre gleichermaßen erschüttert und erheitert. Die Anschuldigung: das Kaiserreich würde durch einen homosexuellen Klüngel regiert werden. Insbesondere Philipp zu Eulenburg wurde attackiert.

Philipp zu Eulenburg
Philipp zu EulenburgPhilipp Friedrich Alexander Fürst zu Eulenburg und Hertefeld wurde im Februar 1847 in Königsberg geboren. Sein Vater war der Oberleutnant Philipp Konrad Graf zu Eulenburg seine Mutter Alexandrine geb. Freiherrin von Rothkirch und Panthen. Der junge Philipp kam durch seinen Vater schon früh in Kontakt mit dem Militär. Er selbst trat für einige Jahre in den Militärdienst ein, bis er schließlich Jura studierte. Im Jahr seiner Promotion heiratete er die Gräfin Sandels. 1877 wurde er preußischer Diplomat und ein bedeutender Vertrauter des deutschen Kaisers Wilhelm II. Im Jahr 1890 nahm er eine entscheidende Rolle in dem Sturz von Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck ein. Zehn Jahre später hob ihn Kaiser Wilhelm II. in den erblichen preußischen Fürstenstand. Einen großen Teil seiner Zeit widmete Philipp zu Eulenburg der Musik und der Jagd.

Der Liebenberger Kreis

Philipp zu Eulenburg war der Kopf des sogenannten Liebenberger Kreises. Der Name dieser Tafelrunde gründet sich auf Schloss Liebenberg, auf welchem Philipp zu Eulenburg Schlossherr war. Ob Eulenburg ein Bewunderer des Kaisers war und alles tat, damit sich der Monarch mit weiteren Männern umgab, die ihm nach dem Munde redeten und seine egozentrischen Allüren unterstützten, oder ob es sein perfider Plan war,  Kaiser Wilhelm mit Feingeist zu umgeben und seine Entscheidungen in – aus seiner Sicht – „vernünftigen“ Rahmen zu beeinflussen, bleibt offen.

Zu der erlesenen Kamarilla gehörten Richard Fürst zu Dohna-Schlobitten, der Generalintendant des preußischen Hoftheaters Georg von Hülsen-Haeseler, der Stadtkommandant von Berlin Kuno Graf von Moltke, Emil Graf von Schlitz genannt von Görtz, Bernhard von Bülow sowie der württembergische Gesandte beim Bundesrat Axel Freiherr Varnbüler von und zu Hemmingen.

Der von Minderwertigkeitsgefühlen gezeichnete Kaiser fühlte sich in dieser Tafelrunde offensichtlich wohl. Wahrscheinlich wurden auch bedeutende Entscheidungen auf diesen Treffen getroffen. So mag es wohl Eulenburg gewesen sein, welcher dem Kaiser Wilhelm II. Bernhard von Bülow als Nachfolger für das Amt des Reichskanzlers angepriesen hat. Mit der Jahrhundertwende nahm die Einflussnahme Eulenburgs auf den Kaiser deutlich ab. Die kritische Öffentlichkeit hingegen sah in dem ehemaligen Diplomaten immer noch den Kopf einer subtilen Nebenregierung, welche einen negativen Einfluss auf den Kaiser sowie die Politik ausüben würde. Diese heikle Einstellung zum Liebenberger Kreis und Eulenburg war Initialzünder für die Harden-Eulenburg-Affäre, welche 1907 zum Zerfall der erlesenen Tafelrunde führte.

Die Harden-Eulenburg-Affäre – Einer der größten Skandale in der wilhelminischen Zeit

Ende 1906 legte der Publizist Maximilian Harden in diversen Artikeln die Homosexualität Eulenburgs nahe. Harden war sich durchaus darüber bewusst, was dies bedeutet. Homosexuelle Beziehungen waren – obwohl nachweislich weit verbreitet – in der männerbündischen, prüden Gesellschaft der wilhelminischen Zeit ein absolutes Tabu und wurden nach dem Paragrafen 175 strafrechtlich verfolgt. Nichts war zur Provokation eines öffentlichen Skandals effektiver, als den Verdacht entstehen zu lassen, die Spitze des Reiches bestände aus einem Klüngel an schwulen Herrschaften. Ferner wäre ihre Homosexualität der Grund, warum sie weder intern noch extern zu einer kraftvollen Politik fähig wären.
Der Skandal war auch ein offener Schlagabtausch zwischen konservativ-nationaler Anschauung und liberaler Auffassung und Handlung.

Die Anschuldigungen verbreiteten sich schnell und im Herbst 1907 fanden daher einige Sensationsprozesse statt. Anfangs richteten sich diese nur indirekt gegen Eulenburg. Im Juni 1908 wurde schließlich der entscheidende Prozess gegen den einstigen Diplomaten eröffnet. Eulenburg wurde mit dem Vorwurf des Meineides konfrontiert, weil er im Bülow-Brand-Prozess ausgesagt hatte, niemals gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen ausgeübt zu haben. Im selben Jahr sind die Gerichtsverfahren wegen seines Nervenleidens ausgesetzt worden. Im Jahr 1909 wurde sie gänzlich eingestellt.

In der Bevölkerung lösten die Prozesse einen Sturm der Entrüstung gegen gleichgeschlechtliche Liebe sowie der angeblichen Vermischung von homosexuellen Handlungen mit politischen Interessen aus. Es war einer der größten Skandale in jener Zeit und zog den gesamten Liebenberger Kreis in Misskredit. Kaiser Wilhelm II. erfuhr dadurch eine politische Bloßstellung und kündigte jegliche Beziehungen zu Eulenburg. Der ehemalige Diplomat selber lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1921 isoliert in seinem Schloss Liebenberg.

Die Homosexualität Philipp zu Eulenburgs gilt nach heutigem Forschungsstand als erwiesen.

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