Otto von Bismarck

Otto von Bismarck polarisierte schon zu Lebzeiten, wurde gleichermaßen verehrt und gehasst. Der Staatsmann wurde am 1. April 1815 in Schönhausen an der Elbe geboren und starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh in der Nähe von Hamburg. Bis heute erinnern in Brandenburg unter anderem die sogenannten Bismarcktürme an den „eisernen Kanzler“. Acht dieser Türme sind in Brandenburg noch erhalten. Insgesamt existieren in Deutschland 146 Türme dieser Art. Nach Bismarcks Tod im Jahr 1898 nahm der Kult an seine Person nicht nur in Brandenburg ungeahnte Ausmaße an. Mit den Denkmälern, die damals wie Pilze aus dem Boden schossen, setzte auch die Verklärung Bismarcks ein. Der „Reichsgründer“ in Uniform und mit Pickelhaube blickte mit grimmigem Gesicht in eine unbestimmte Ferne und wurde zu übermenschlicher Größe stilisiert. Das wiederum passte gut in den wilhelminischen Zeitgeist und zu einem Deutschland, das sich zur Weltmacht berufen fühlte. Zumindest zur geistig-moralischen Mobilmachung 1914 gehörte auch die Beschwörung Bismarcks.

Bismarcks Karriere

Bismarcks Vater stammte aus einem Adelsgeschlecht, das seit dem 13. Jahrhundert in Brandenburg ansässig war. Die Geschichte der Familie war damit länger mit Brandenburg-Preußen verknüpft als die des damals regierenden Fürstenhauses. Das Haus Hohenzollern hatten die Mark Brandenburg erst im 15. Jahrhundert als Lehen erhalten. Otto Eduard Leopold von Bismarcks Weg in die Politik verlief nicht geradlinig. Nach einem Jurastudium trat er 1836 als Referendar in die Provinzverwaltung von Aachen ein. Elf Jahre später rückte er als Abgeordneter in den Landtag ein und erregte gleich in seiner ersten Rede Aufsehen, als er die Monarchie gegen den bürgerlichen Liberalismus verteidigte. Es folgte 1848 die Märzrevolution, die auch Bismarcks Karriere bedrohte. Aber die konservativen Kräfte gewannen bald wieder Oberwasser. Bismarck beteiligte sich an den Vorbereitungen eines Staatsstreichs gegen die liberalen Kräfte und wurde von Friedrich Wilhelm IV. zum Dank dafür zum preußischen Gesandten des Bundestags nach Frankfurt am Main geschickt. Wilhelm I. bestellte ihn 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten. Bismarck galt als reaktionär und tat als Regierungschef zunächst alles, um diesem Ruf gerecht zu werden: Liberale Zeitungen wurden zensiert, unliebsame Beamten gemaßregelt.

Sieg über Frankreich und die Gründung des Kaiserreichs 1870/71

Der Sieg über Frankreich und die Gründung des Kaiserreichs 1870/71 bewirkten, dass auch die Nationalliberalen fortan für Bismarck schwärmten, während Linksliberale, Katholiken und Sozialdemokraten Repressalien ausgesetzt waren. Den Katholiken war die von Bismarck durchgesetzte Einführung der Zivilehe ein Dorn im Auge. Die Schaffung des Sozialversicherungssystems geht auf Bismarcks Konto. Aber innenpolitisch waren die 1880er Jahre durch die repressiven Sozialistengesetze geprägt. Wirtschaftliche Probleme verstärkten die Spannungen. Auch im kaiserlichen Umfeld sah man die wachsende Glorifizierung des „Reichsgründers“ skeptisch. Schließlich wurde Bismarck 1890 vom seit zwei Jahren amtierenden Kaiser Wilhelm II. entlassen. Der in Neuruppin geborene Schriftsteller Theodor Fontane gab mit dem Satz „Es ist ein Glück, dass wir ihn los sind“ der allgemeinen Stimmung Ausdruck. Doch in den folgenden Jahren steigerte sich Bismarcks Popularität. An seinem 80. Geburtstag am 1. April 1895 trugen ihm 370 Städte die Ehrenbürgerschaft an. Die Katholiken, die Linksliberalen und die Sozialdemokraten lehnten ihm Reichstag eine Glückwunschadresse an den „Reichsgründer“ ab.

Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Im August 1914 wurde wieder der „eiserne Kanzler“ zur Mobilmachung beschworen. Vom „Bismarck in Feldgrau“ wurde gesprochen, dessen „Werk vollendet“ werden müsse. Auch nach dem 1. Weltkrieg wurde von nationalkonservativen Kräften der Ruf nach einem „starken Mann“, einem zweiten Bismarck laut. Die sogenannte „Dolchstoßlegende“, wonach das deutsche Heer hinterrücks von Juden und Sozialisten um den Sieg gebracht worden sei, verband sich mit dem Mythos des Reichkanzlers. Die Nazis machten sich nach der Machtübernahme 1933 den Bismarck-Mythos zunutze. Am „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 wurde die „Vermählung“ des neue mit dem alten Deutschland von den Nazis zelebriert. Später degradierten sie den „Reichsgründer“ zum bloßen Vorläufer des „Führers“.

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