Heinrich von Kleist

Zu wirklichen Bekanntheit kam Heinrich von Kleist posthum. In seinem kurzen und arbeitsintensiven Leben schrieb er mehrere Klassiker der deutschen Literaturgeschichte. Kleist war ein simpler aber auch vielschichtiger Mann. Radikal, Perfektionist, rastlos und auch sehr emotional – dies sind die Eigenschaften, die ihm zugeschrieben werden. Seine Schaffenszeit wird der Weimarer Klassik und Romantik zugeordnet.

Kleist war 34 Jahre, als er am 21. November 1811 am Ufer des heutigen „Kleinen Wannsee“ in Berlin mit seiner schwer kranke Freundin Henriette Vogel den gemeinschaftlichen Selbstmord begann. Versagungsängste plagten ihn schon länger und wurden bestärkt.

Heinrich von Kleist

Heinrich von Kleist

Die Werke von Kleist schlugen mit voller Wucht ein. Sein von Gewaltexzessen geprägter Drama „Penthesilea“ war ein unglaublicher Schlag in das Gesicht der besonnen Intellektuellen der Weimarer Klassik. In diesem Stück wird Achilles kannibalistisch von der Geliebten, der Amazonenkönigin Penthesilea, in Stücke gerissen. Für Kleist bedeutet jeder Kuss ein Biss.

Geboren wurde Heinrich von Kleist am 18. Oktober 1777 in Frankfurt (Oder). Er stammte von einem alten, ursprünglich pommerschen Adelsgeschlecht ab, die Familie der Kleists war seit dem 17. Jahrhundert für ihre Militärtradition bekannt. Doch Heinrich von Kleist wollte nicht ein Kind der Aristokratie bleiben.

Wappen der Familie von Kleist

Wappen der Familie von Kleist

Mit Caroline Luise, geb. von Wulffen, gingen die beiden Halbschwestern Kleists, Wilhelmine („Minette“) und Ulrike Philippine hervor. Letzterer stand Heinrich von Kleist später sehr nahe. Der Vater heiratete 1775 in zweiter Ehe Juliane Ulrike, geb. von Pannwitz, die ihm Kinder Friederike, Auguste Katharina, Heinrich und schließlich noch dessen jüngere Geschwister Leopold Friedrich und Juliane, genannt Julchen, gebar.

Nach dem Tod des Vaters wurde Heinrich von Kleist in ein Erziehungsheim nach Berlin geschickt. Im Juni 1792 trat er in das Garderegiment zu Potsdam ein und nahm unter anderem am Rheinfeldzug gegen Frankreich teil. Im Jahr 1795 – dem Jahr in dem erste Zweifel Heinrich von Kleists an seinem Militärdasein belegbar sind – wurde er zum Fähnrich und 1797 zum Leutnant befördert. Privat nahm Kleist zusammen mit seinem Freund Rühle von Lilienstern mathematische und philosophische Studien in Potsdam auf und erwarb sich den Universitätszugang.

Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst, die er gegen den Willen seiner Familie durchgesetzt hatte, begann Kleist im April 1799 in Frankfurt an der Oder an der Viadrina Mathematik als Hauptfach und Physik, Kulturgeschichte, Latein und Kameralwissenschaften zu studieren.

Wilhelmine von Zenge

Im Jahr 1799 lernte er die Generalstochter Wilhelmine von Zenge kennen, mit der er sich Anfang 1800 verlobte. Im gleichen Jahr brach er sein Studium ab und begann eine Tätigkeit als Volontär im preußischen Wirtschaftsministerium in Berlin denn die Familie seiner Braut forderte, dass er ein Staatsamt annehmen sollte.

Ab April 1802 wohnte Heinrich von Kleist auf einer Insel in der Aare bei Thun in der Schweiz. Angeregt durch die Schriften Jean-Jacques Rousseau wollte er ein bäuerliches Dasein erfahren. Doch nicht zuletzt dadurch kam zum Bruch mit Wilhelmine, die nicht nach seinen Vorstellungen als Bäuerin mit ihm zusammen leben wollte.

Im Jahr 1803 kehrte er zurück nach Deutschland und arbeitete ab 1804 als Beamter in Königsberg. Doch schon 1806 schied er wieder aus dem Staatsdienst aus. Auf dem Wege nach Berlin wurden Kleist und seine Begleiter im Januar 1807 von den französischen Behörden als angebliche Spione verhaftet und nach seiner Freilassung gab er ab Januar 1808 das Journal für die Kunst – Phöbus heraus.

Heinrich von Kleist war in seinem kurzen Leben Gelehrter, Wissenschaftler, Philosoph, Landwirt, Beamter, Redakteur und Dichter. Er wusste, was die Leute interessiert. Als Träumer und Fantast beschäftigte er sich mit allerlei anderen Projekten, z. B. den Postdienst revolutionieren, in dem man mit Kanonen Briefe und Pakete verschickt.

Kleist ist extrem emotional. Vergeltung und Rache gehören zu seinen Themen. Ehrenwerte Männer werden in seinen Dramen zu Rebellen und nehmen das Gesetz in die eigenen Hände. Ein Beispiel dafür ist der brandenburger Pferdehändler Michael Kohlhaas, der Held der gleichnamigen Novelle zieht brandschatzend durch Brandenburg, weil ein Schlossherr ihm seine Pferde gestohlen hat. Die Erzählung ist durchdrungen von Zorn, Wut und Grimmigkeit. Auffallend ist auch das alle Novellen von Kleist mit einer Katastrophe beginnen.

Kleist liebt verschlungene Doppeldeutigkeiten und baute diese dann in seine Dramen ein. Die tragische Komödie `Der zerbrochene Krug` ist ein Prozess der fortschreitenden Demaskierung der Dorfgemeinschaft. Aus Opfern werden Täter und andersherum.

Die Komplexität der Motive machte Kleist zu einem modernen Schriftsteller. Zu seinen bekanntesten Werken zählen des Weiteren „Das Käthchen von Heilbronn“ und „Die Marquise von O…“.

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