Gransee – mittelalterlicher Charme

Gransee ist eine Stadt zwischen der Prignitz und der Uckermark, nördlich von Berlin im Landkreis Oberhavel.
Bereits in der Bronzezeit besiedelt, ist die Stadt Gransee, die mit dem Recht der Altstadt Brandenburg ausgestattet wurde, vermutlich um 1200 an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen entstanden. Gransee ist eine planmäßige Gründung, die 1230-1250 durch die Markgrafen Johann I. und Otto III. erfolgte. 1262 erlangte Gransee Stadtrecht und Zollfreiheit.

Im Jahr 1316 fand die „Schlacht bei Gransee“ (oder auch „Schlacht bei Schulzendorf“) statt, bei der sich Brandenburg auf der einen und Dänemark und Mecklenburg auf der anderen Seite gegenüberstanden. Es war die entscheidende Schlacht des Krieges und führte mit dem wenig später abgeschlossenen Frieden von Templin zum Ende des Krieges am 25. November 1317, der die Niederlage ders Brandenburgischen Waldemar gegen die Koalition norddeutscher Fürsten und Dänemark, besiegelte.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Franziskanerkloster gegründet, welches 1541 im Zuge der Reformation aufgelöst wurde. Mehrere Stadtbrände (1604, 1621, 1711) vewüsteten die Stadt. Der große Stadtbrand am 19. Juni 1711 war derart verheerend, dass Gransee mit neuem Stadtgrundriss neu aufgebaut wurde. Die rechtwinklige Straßenführung geht auf den Wiederaufbau nach diesem Brand zurück.

Am 10. Juli 1877 wurde die Preußische Nordbahn eröffnet, wodurch Gransee eine schnelle und direkte Eisenbahnanbindung nach Berlin, Neustrelitz und Neubrandenburg erhielt. 1878 war die Fahrt mit der Eisenbahn bis nach Stralsund möglich und mit der Eröffnung der Lloydbahn 1886 auch bis Rostock.

Zwischen 1952 und 1993 war Gransee Verwaltungssitz des Landkreises Gransee, seitdem gehört die Stadt zum Landkreis Oberhavel.

Gransee hat sich trotz zahlreicher Brände, welche die Stadt heimsuchten, seinen mittelalterlichen Charme bis heute erhalten. Der Grund dürfte darin liegen, dass die Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert die Stadt weitestgehend unberührt ließ. Zu den äußeren Stadtteilen gelangen die Bewohner noch immer durch kleine Pforten in der Stadtmauer. Diese Stadtmauer aus dem 14/15 Jahrhundert ist fast vollständig und zudem mit einigen Wiekhäusern bestückt. Gesäumt ist sie von beschaulichen Wallgärten. So wirkt die Stadt noch heute verschlafen, wofür auch spicht, dass die letzte Pizzeria unlängst geschlossen hat.

Den Besucher sollte dies jedoch nicht abschrecken, macht es doch auch einen Reiz von Gransee aus.

Sehenswert sind das Ruppiner Tor mit dem Waldemartor, der Pulverturm, die Sankt Marienkirche, die Reste des Franziskaner Kloster, der Schinkelplatz mit Luisendenkmal und die alte Warte.

Das Ruppiner Tor mit seiner prächtigen Giebelarchitektur wurde mehrfach restauriert und zuletzt 1995 umfassend saniert. Besonders zu beachten sind stadtseitig der Sechspassfries am Obergeschoss und die Spitzbogenblenden des Giebels. Das Ruppiner Tor wird heute für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Schräg gegenüber befindet sich das im ehemaligen Heilig-Geist-Hospital untergebrachte Heimatmuseum, in dem Mobiliar und eine Sammlung zur Früh- und Heimatgeschichte gezeigt wird. Auch eine Touristinformation ist an dieser Straßenecke untergebracht.

Unweit des Ruppiner Tores befindet sich der Pulverturm aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Er wurde als zusätzlicher Schutz der Toranlage konzipiert und beherbergte zusätzlich das Waffenarsenal von Gransee.

Die Pfarrkirche St. Marien ist das vieleicht bedeutendste Bauwerk der Stadt. Theodor Fontane schrieb „die Kirche werde von keiner in der Grafschaft Ruppin übertroffen“. Die ältesten Teile stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Erbaut 1250-1520 ist die spätgotische Backstein Hallenkirche älter als die Stadt selbst. Die Kirche wirkt durch ihre beiden ungleichen Türmen auf der Westseite und dem reich verzierten Giebel im Osten auch heute noch beeindruckend.
Im Inneren befinden sich eine übergroße Triumpfkreuzgruppe (um 1500) ein spätgotischer Schnitzaltar, ein bemalter Flügelaltar mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Anna und weiterer Heiliger (beide Anfang 16. Jahrhundert) und Fragmente einer Wandmalerei, so wie die 1744 geweihte Orgel des Silbermann-Schülers Joachim Wagner mit 2044 Pfeiffen und 28 Registern.

Zur Verteidigung bzw. zur Alarmierung der Bürger, wurden ausserhalb der Stadtmauer, Beobachtungspunkte eingerichtet – die die sogennannten Warttürme (kurz: Warte). Einer dieser Warten ist erhalten geblieben. Der Turm aus dem 14. Jahrhundert befindet sich etwa 1 km südwestlich der Stadt auf dem Wartberg. Leider ist dieser Turm seit 2012 geschlossen, so dass Besucher die Aussicht nicht mehr genießen können.

Das Luisendenkmal ist ein von Karl Friedrich Schinkel entworfenes Denkmal in der berühmten Berliner Eisengießerei hergestellt und erinnert an die Überführung der im Jahr 1810 verstorbenen Königen Liuse vom mecklenburgischen Hohenzieritzen nach Berlin. Ihr Sarg stand in der Nacht vom 2. zum 26. Juli 1810 eben an dieser Stelle an dem sich heute das gusseiserne Kenotaph mit Baldachin befindet.

Das Franziskaner Kloster wurde etwa um 1280 errichtet. Heute existieren nur noch der Klausurflügel, der sogenannte Ostbau und die nördliche Chorwand des ans an die Mauer angeauten Klosters. Franziskanermönche, auch Barfüßer genannt, verbreiteten das Christentum in dieser Gegend, auch Schulen wurden von ihnen initiiert. Im Lande Ruppin war Wichmann von Arnstein, der Bruder des regierenden Grafen von Ruppin, der geistliche Führer der Franziskaner. Der im Jahre 1209 von Franz von Assisi gegründete Orden verbreitete sich über Süd- und Westdeutschland bis in die Mark Brandenburg. Erst durch die Säkularisation ging die Bedeutung des Klosters verloren. Kurfürst Joachim der II. verkaufte das Kloster 1561 an den Granseer Magistrat. Klosterkirche, das westliche Klausurgebäude und der Kreuzgang wurden bei den Stadtbränden vernichtet.

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