Die Hackeschen Höfe in Berlins Mitte

Die Hackeschen Höfe sind eine Sehenswürdigkeit in Berlin Mitte. Zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz, unweit des Doms, der Straße „Unter den Linden“ und der Museumsinsel gelegen, ziehen sie aufgrund ihrer Geschichtsträchtigkeit und ihrer einmaligen Architektur Touristen aus aller Welt an.
Das gesamte Areal besteht aus 8 untereinander verbundenen Höfen. Hier haben sich 40 Kleingewerbebetriebe, sowie Kultureinrichtungen abseits des Mainstreams angesiedelt.

Die Hackeschen Höfe wurden am 23. September 1906 nach Plänen des Architekten August Endell und des Bauunternehmers und Architekten Kurt Berndt eröffnet. Dieser hatte die vorhandenen Bauten abreißen und eine Gewerbehof- und Wohnanlage errichten lassen, die in ihrer Anlage maßgeblich von der Lebensreform-Bewegung inspiriert war. Diese sah als Ideal eine Einheit von Wohnen, Arbeiten und Kultur an. Ein Gebäude im ersten Hof war als Festsaaltrakt konzipiert, im zweiten und dritten Hof lagen Fabriketagen. In den Innenbereichen befanden die mit Innentoiletten, Zentralheizung, Bädern und häufig auch Balkonen ausgestatteten Mietwohnungen – keine Selbstverständlichkeit um die Jahrhundertwende.

Die Wohnhöfe lagen im Blockinneren, fernab vom Straßenlärm und waren licht- und sonnendurchflutet, Grünpflanzen, Sandkästen und Brunnen sorgten für Lebensqualität. Die Anlage war gedacht als ein Beispiel für modernes, gesundes Arbeiten und Wohnen und sollte sich abheben von den um die Jahrhundertwende vorherrschenden Mietskasernen mit ihren elenden Lebens- und Arbeitsbedingungen, die der Berliner Maler und Graphiker Heinrich Zille so eindrücklich dargestellt hat.

Seit ihrem Bestehen wurden die Festsäle gerne genutzt, um in ihnen Firmenjubiläen oder Familienfeste abzuhalten. So wurden die nach ihrem Bewirtschafter Wilhelm Neumann benannten Neumannschen Festsäle ein wichtiger Kommunikations- und Treffpunkt für die Berliner. 1909 gründete sich „Der Neue Club“, eine Vereinigung expressionistischer Dichter, in einem der Festsäle. 1916 zog hier das Mädchenheim des Jüdischen Frauenbundes, 1933 die Jüdische Studentenmensa ein. In den Gewerbe- und Büroräumen fand man eine breite Palette der unterschiedlichsten Betriebe: von Pelzwaren über Musikinstrumente bis hin zu Geschäften für Kaffee oder Mehl.

In den Wirren der 1920er Jahre gaben viele Firmen ihren Standort auf und das kulturelle Leben kam zum Erliegen.
Zu DDR-Zeiten wurden die Hackeschen Höfen vernachlässigt, die Säle zweckentfremdet und die ehemals prächtige Fassade zerstört. 1951 wurden die Höfe als Volkseigentum deklariert und 1977 unter Denkmalschutz gestellt. 1995 begannen die Sanierungsarbeiten, die Um- und Ausbauten, Erneuerung der Haustechnik und Denkmalspflege betrafen, und 1997 abgeschlossen wurden.

Die Außenfassade war, ganz dem wilhelminischen Geschmack folgend, eine opulente Mischung aus neobarocken, ägyptisierenden und antikisierenden Elementen, während die von August Endell geschaffenen Hoffassaden und die Festsäle im ersten Hof einen ganz anderen Charakter haben. Endell strebte danach, die in seinem Studium der Psychologie und Philosophie gewonnenen Erkenntnisse architektonisch umzusetzen. Sein Leitgedanke war es, Bewegung in Architektur und Dekoration umzusetzen. Dies manifestiert sich auf interessante Weise in dem von ihm gestalteten ersten Hof, dessen Ost- und Westseite ganz unterschiedliche Farb- und Stilelemente aufweisen.

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