Die East Side Gallery in Berlin

Die Berliner Mauer hat knapp 28 Jahre lang das Gesicht Berlins geprägt und die Teilung der Stadt wortwörtlich untermauert. Welchen Eindruck dieses Grenzbefestigungssystem auf die Einwohner Berlins gemacht haben mag, ist am deutlichsten an der East Side Gallery im Stadtteil Friedrichshain zu spüren. Auf einer Länge von knapp 1310 Metern lässt sich so ein Blick auf das längste noch erhaltene Teilstück der imposanten Grenzanlage werfen. Hier haben sich außerdem mehr als 100 Künstler kurz nach der Wiedervereinigung Ost- und Westdeutschlands verewigt und so die längste Open-Air-Gallerie der Welt geschaffen. Eine Besichtigung dieses beeindruckenden Kunstwerkes und Zeitdokumentes sollte bei keinem Berlinbesuch fehlen.

Mehr als hundert Künstler beteiligt

Die zusammen knapp 118 Künstler haben auf rund 100 eigenständigen Gemälden ihre Gefühle, Gedanken und Impressionen rund um die Teilung Deutschlands während des kalten Krieges verarbeitet. Ihr Ziel: Ihre „Freude über die friedliche Überwindung des Eisernen Vorhangs“ zum Ausdruck zu bringen. Eröffnet wurde die East Side Gallery bereits im Jahr 1990 und im Jahr 1991 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre ist sie aufgrund von Witterungseinflüssen und städtebaulichen Maßnahmen immer wieder renoviert und saniert worden. Doch auch Vandalismus hat den Werken zugesetzt. Um den Verfall aufzuhalten, wurden die Künstler, die an der Erstellung der Originalbilder beteiligt waren, im Jahr 2009 gebeten, ihre Werke zu erneuern. Wenngleich nicht alle der Aufforderung nachkamen, erstrahlen die Bilder seitdem in neuem Glanz.

Ironie der Geschichte

Wer heute die East Side Gallery besucht, befindet sich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Die dem Besucher zugewandte Seite, hinter der die Spree die natürliche Grenze zu Westdeutschland darstellte, stellte sich den Bewohnern Ostberlins als graue und unüberwindbare Einöde dar. Ironie der Geschichte: Dieses Mauerstück ist das einzige, das nur im Osten, nicht aber im Westen Deutschlands stand. Dem Besucher eröffnet sich ungeachtet dieser Gedanken ein grandioses Gesamtkunstwerk. Zu sehen ist hier das von Dmitri Wrubel inszenierte Bild, das die ehemaligen Staatsoberhäupter Leonid Breschnew und Erich Honecker im innigen Bruderkuss zeigt ebenso wie Birgit Kinders Ode an den Trabi „Test the Best“. Diese sowie eine Vielzahl anderer Werke sind unzählige Male um die Welt gegangen und prägen das kollektive Andenken an die Zeit vor und nach dem Mauerfall. Dem Berlinbesucher empfehlen wir einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Mauer, die nur an wenigen Stellen durch Zu- und Ausfahrten unterbrochen wird. Gut möglich, dass dann nicht nur der Kunst-Funke auf Sie überspringt, sondern Sie auch das beklemmende Gefühl überkommt, das die Bewohner Ostberlins beim Anblick der Mauer gehabt haben müssen.

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