Der tiefste See Brandenburgs – der große Stechlinsee

Ganz im Norden des Bundeslandes Brandenburg – fast schon in Mecklenburg-Vorpommern – liegt der zugleich tiefste See von Brandenburg: Der große Stechlin See – gerne auch als „der Große Stechlin“ oder umgangssprachlich nur als „Stechlin“ bezeichnet. Abgeleitet ist das Wort Stechlin aus dem slawischen – hier bedeutet das Wort steklo Glas. Dies ist wohl eine Anspielung auf die ehemals am See angesiedelte Glashütte, aber auch auf die hervorragende Wasserqualität des großen Stechlin, der zu den saubersten Seen in Deutschland gehört. Der See verteilt sich auf einer Fläche von 4,25 Quadratkilometern und fasst knapp 100 Kubikmeter Wasser. Der See gehört seit dem Dritten Reich im Jahre 1938 zu einem Naturschutzgebiet. Heute ist er eingegliedert in den Naturpark „Stechlin-Ruppiner Land“.

Der große Stechlinsee beinhaltet etwa 97 Millionen Kubikmeter Wasser, die Oberfläche bedeckt ca. 4,25 Quadratkilometern. Im Durchschnitt ist der See 22m tief, wobei aber auch nordwestlich der Fischerei Böttcher & Sohn 68m Tiefe erreicht werden. Sichttiefen von durchschnittlich neun bis zehn Metern zeugen von der Qualität des Sees als „Klarwassersee“.

Die Wanderung um den Stechlin gilt als Klassiker. Wer alle Buchten „ausläuft“ legt dabei gut 17km zurück, durch Abkürzungen kommt man auf ca. 14 km. Durch die Absenkung des Wasserspiegels ist eine gut begehbare Ufertrasse entstanden, vorherschend sind Rotbuchen, Eichen und Kiefern.

Der See bietet eine einzigartige Flora und Fauna

Der See beherbergt auch zwei einzigartige Lebensformen, die nur im großen Stechlin vorkommen. So finden sich hier die so genannte Cyclotella tripartita, eine Kieselalge, sowie die Fontane-Maräne. Die Fontante-Maräne ist mit Ihren 9 bis 13 Zentimetern Länge eine eigene Fischart und fällt deutlich kleiner aus als die rund 30 Zentimeter lange Kleine Maräne. Die Entdeckung der Fontane-Maräne durch Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei im Jahre 2000, galt als wissenschaftliche Sensation.

Das Seelabor im großen Stechlin

Das Leibniz-Institut hat im großen Stechlin noch weitere Forschungsarbeiten laufen. So werden in einem eigens angelegten Seelabor die Auswirkungen des Klimawandels auf Seen erforscht. Das Labor besteht aus 24 einzelnen Seebecken, die jeweils einen Durchmesser von 9 Metern aufweisen. Die Becken sind mit Ihren rund 20 Meter tiefen Becken quasi Seen im See. So dienen Sie als kleine Versuchsseen, in welchen verschiedene Klimaszenarien simuliert werden und deren Auswirkung erforscht wird. Hierbei sollen beispielsweise Fragen beantwortet werden, inwieweit sich Nährstoffe im Wasser anreichern, ob Treibhausgase freigesetzt werden oder ob sich die Artenvielfalt verändert.

Der Stechlin in der Literatur

Wie man bereits erkennen kann ist dieser See keinesfalls ein gewöhnlicher See. Neben den ausgiebigen Forschungsarbeiten, die dem See wohl zum meisterforschten Gewässer Deutschlands machen, war dieser auch bereits Gegenstand eines literarischen Werkes. So hat der Autor Theodor Fontante mit seinem Roman „Der Stechlin“ dem See ein wahres literarisches Denkmal gesetzt.

Nun mag man sich fragen, wie Fontane gerade auf diesen See kommt. Fontane war während seinen Spaziergängen und weitläufigen Wanderungen in Brandenburg auch öfter in Neuglobsow zugegen und lies sich hier vom mystischen Flair des Sees inspirieren. Er schrieb den Roman innerhalb des Zeitraums von 1895 bis 1897. Das Buch dazu erschien jedoch erst 1899. Die Hauptfigur nimmt der alte Dubslav von Stechlin ein. Den Nachnamen wählte Fontante deshalb, weil ihm der große Stechlin so viel Inspiration gab. Der Roman selbst ist gezeichnet von leichten bis tiefsinnigen Dialogen zwischen dem Stechlin und seinen Angehörigen. Die Geschichte vermittelt zudem eindrucksvoll die in dieser Zeit vorherrschende Stimmung, die voller Skepsis und Melancholie geprägt war.

Die Sage vom roten Hahn

Der Stechlin erscheint nach wie vor geheimnisvoll – und so gibt es einige Sagen und Geschichten rund um den See. Eine davon ist die Sage vom roten Hahn. Demnach lebte einst im Fischerhaus Stechlin ein Fischer namens Minack. Obwohl ihm geraten wurde vor dem roten Hahn, welcher den See bewohnen soll, acht zu haben, scherte er sich nicht darum. Obwohl Fischer häufig ihre Netze verloren hatten, mehrere Unfälle aufgetreten sind und sogar einer beim Fischen „den Totenzug“ getan hatte, fischte Minack wo und wie er wollte.
An einem stürmischen Tag fuhr er erneut mit seinen Helfern auf den See, an eine tiefe Stelle die als besonders gefährlich galt. Doch als das Netz eingeholt werden sollte, wurde das Tau immer straffer und straffer. Als es Minack nicht gelang es zu befreien während seine Helfer vom Ufer aus die Winden bedienten, sah er sich nicht anders zu helfen als es mit seinem Messer zu zerschneiden. In diesem Augenblick aber teilte sich die Flut, und aus den Wasser rauschte der rote Hahn empor. Während er mit seinen mächtigen Flügeln das Wasser peitschte, betäubte er mit donnerndem Krähen den unglücklichen Fischer und zog ihn mit sich hinab in die Tiefe.

Der Rote Hahn soll in direktem Zusammenhang mit Naturkatastrohen weltweit stehen. Als im Jahr 1755 die portugiesische Stadt Lissabon durch ein Erdbeben fast zerstört wurde, sei sei der Roter Hahn an gekommen und habe mit seinen Flügeln das Wasser geschlagen. Ob der Hahn einen Bezug zum Roten Adler der Brandenburg-Hymne des Komponisten Gustav Büchsenschütz aus Vehlefanz hat bleibt unklar.

Die Wüstung Stechlin

An der Nordwestbucht, der sogenannten „Katz“ lag das alte Dorf Stechlin. Im Jahre 1422 wurde es von den Mecklenburgern geplündert und verfiel bald danach in eine „Wüstung“. Als solche werden aufgegebene Dörfer bezeichnet.
Das wüste Dorf Stechlin wurde bald als Agrarfläche genutzt und wurde später, dem Namen eines Pächters folgend als „Dieterichs Dorfstätte“ geführt. Doch bereits der Sohn dieses Pächters mußte das Land ohne Pachtausgleich zurückgeben, um der Aufforstung zu weichen.

Das Kernkraftwerk Stechlin

Gleich hinter dem ehemaligen (wüsten) Dorf Stechlin wurde ab 1960 das 1966 in Betrieb genommene Kernkraftwerk Rheinsberg (KKR) erbaut. Es wurde im Jahr 1990 stillgelegt und wird seit 1995 demontiert. Es handelt sich um das erste wirtschaftlich genutzte Kernkraftwerk der DDR. Seit 2012 wurde die Geschichte des Kernkraftwerks Rheinsberg wissenschaftlich untersucht und im Januar 2013 eine Studie veröffentlicht und eine eigene Ausstellung in Rheinsberg eröffnet. Das Kühlwasser für das Kraftwerk wurde dem Nehmitzsee entnommen und durch einen Auslaufkanal in den Stechlinsee eingeleitet. Durch den Polzowkanal der die beiden Seen verbindet, besteht so ein Kreislauf für das Kühlsystem.

Anreise zum Stechlinsee

Regionalexpress R5 bis Fürstenberg/Havel, weiter mit Bus 839 oder RE 5 bis Gransee, umsteigen auf Bus 836.

Mit dem Auto auf der A 10 bis Kreuz Oranienburg, weiter auf der B96 bis Gransee und von dort ausgeschildert bis zum Stechlinsee. Alternativ über die A24 bis Neuruppin, anschließend auf der B167 über Rheinsberg weiter zum Stechlinsee.

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