Das Reichstagsgebäude in Berlin

Das nach zehnjähriger Bauzeit 1894 seiner Bestimmung als Tagungsstätte für das Parlament des 1871 gegründeten Deutschen Reiches übergebene Reichstagsgebäude ist ein Architekturdenkmal mit für die jüngste deutsche Geschichte enormen Symbolwert. Der in der Mitte Berlins errichtete Monumentalbau steht in ganz besonderem Maße für den Kampf freiheitlich-parlamentarischer Traditionen, die von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Demokratie und der deutschen Einheit waren und sind.

Anders als das preußische Herrenhaus stand das nach dem allgemeinen Wahlrecht (für Männer) organisierte wichtigste Parlament der Deutschen Reiches nicht für ein feudalistisch-autokratisches System, sondern für bürgerliche Mitbestimmung. Dieser Bedeutung entsprechend forderten die zunächst in Provisorien tagenden Reichstagsabgeordneten einen würdigen und repräsentativen Neubau für den Reichstag. Den Wettbewerb um den besten Bauentwurf gewann der Frankfurter Architekt Paul Wallot. Nach seinem Entwurf entstand am Königsplatz (heute Platz der Republik) ein 47 Meter hoher, historistischer Neorenaissance-Bau mit einer Grundfläche von mehr als 13.000 qm. Charakteristisch für die Außengestalt des Reichstagsgebäudes wurde die sich über dem Plenarsaal wölbende Kuppel.

Der Reichstag war sowohl im Kaiserreich als auch in der sich nach dem Ersten Weltkrieg anschließenden Weimarer Republik Schauplatz bedeutender politischer Kontroversen und Entscheidungen. Vom Westbalkon des Reichstagsgebäudes rief SPD-Politiker Philipp Scheidemann am 9. November 1918 die Republik aus. Zwei Tage nach der Machtübergabe an Hitler, der nie im Reichstagsgebäude gesprochen hatte, wurde der Reichstag am 1. Februar 1933 aufgelöst. In der Nacht von 27. zum 28. Februar 1933 brannte das Reichstagsgebäude nach Brandstiftung, deren Hintergründe immer noch umstritten sind, ab. Der Reichstagsbrand wurde von den Nazis zum Anlass genommen, auf dem Verordnungsweg (“Reichstagsbrandverordnung“) wesentliche Bürgerrechte außer Kraft zu setzen, um so dem beginnenden NS-Terror eine formelle Schein-Legitimation zu geben. Der Reichstag tagte in Folge nicht mehr in dem 1933 lediglich notdürftig instand gesetzten, bei den Nazis als Symbol für den Weimarer Parlamentarismus verhassten Reichstagsgebäude („Quatschbude“). Das Gebäude wurde bei der Schlacht um Berlin 1945 schwer beschädigt. Das Foto von dem Hissen der roten Fahne durch Sowjet-Soldaten auf dem Reichstagsgebäude am 30. April 1945 ist eines der berühmtesten Bilder des Zweiten Weltkriegs.

Das Schicksal der im Westteil Berlins unweit der Mauer stehenden Reichstags-Ruine war vor dem Hintergrund der unsicheren politischen Entwicklung im Kalten Krieg lange unklar. Die Optionen schwankten zwischen Abriss und dem schließlich beschlossenen Wiederaufbau. Das bis 1973 ohne Kuppel restaurierte Reichstagsgebäude durfte wegen des Sonder-Status von Berlin nicht für Plenarsitzungen des Bundestags genutzt werden. Das änderte sich nach der Wiedervereinigung 1990 und dem Umzug des Bundestags von Bonn nach Berlin. Während einer vom Stararchitekten Norman Foster geplanten Umbauphase erhielt das Gebäude eine beeindruckende begehbare Glaskuppel. Vor dem Umbau war der Reichstag als „Verhüllter Reichstag“ zwei Wochen im Sommer 1994 Objekt einer spektakulären Christo-Kunstaktion gewesen. 1999 nahm der Bundestag seine Arbeit im „Plenarbereich Reichstag“ auf.

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