Bad Wilsnack – Die Geschichte einer Kurstadt

Im Landkreis Prignitz, genau genommen im Nordwesten des zweisprachigen Landes Brandenburg, liegt Bad Wilsnack. Die idyllische Kurstadt wurde erstmals anno 1384 urkundlich erwähnt. Der Grund für die Erwähnung, welcher ein knappes Jahr zurücklag, war sehr bedeutsam für Wilsnack. Heinrich von Bülow, der gefürchtete Raubritter – eigentlich ein mecklenburgischer Landadliger und zudem Kriegshauptmann des damaligen Herzogs – ließ am 15.08.1383 den gesamten Ort einschließlich der Dorfkirche niederbrennen. Die Brandschatzung der Kirche erregte großes Aufsehen. Besser gesagt, der Altar in dem niedergebrannten Gotteshaus. Dort tauchten plötzlich Blutwunderhostien auf. So kam es, dass die St.-Nikolai-Kirche im heutigen Kurort zur „Wunderblutkirche“ wurde.

Die von Grotekop (wie Heinrich von Bülow genannt wurde) zerstörte Stadt war seit jenem denkwürdigen Tag ein berühmter Wallfahrtsort. Aber die Wallfahrten fanden ein jähes Ende. Abermals war ein Feuer schuld. In dem Fall die Verbrennung der Hostien. Der Feuerteufel war ein evangelischer Geistlicher. Der ehemalige Wallfahrtsort im Landkreis Prignitz machte auch hernach noch mehrmals Bekanntschaft mit den vernichtenden Flammen. Nach den Plünderungen durch kaiserliche, dänische, schwedische und sächsische Truppen im Dreißigjähren Krieg, kam es in den Jahren 1690, 1703, 1826 als auch 1828 zu Stadtbränden, die stets enorme Schäden anrichteten. Alleine im Jahr 1826, am zweiten Tag im September, fielen 24 Wohnhäuser dem Flammenmeer zum Opfer. An die 85 Familien verloren an jenem Septembertag ihr Dach über den Kopf und somit ihr gesamtes Hab und Gut.

Wilsnack jedoch blieb äußerst lebendig. Mit der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Hamburg-Berlin im Jahr 1846 begann für den einstmaligen Wallfahrtsort in Brandenburg erneut der wirtschaftliche Aufschwung. Das Jahr 1899 brachte eine entscheidende Wende für die Kleinstadt im Nordwesten Brandenburgs. Die Moorproben, die Gustav Zimmermann, der damalige Stadtförster, entdeckt und in einer Fischdose nach Berlin geschickt hatte, wo sie untersucht wurden, sollten die Zukunft von Wilsnack prägen. Die Moorerde war enorm eisenoxidhaltig. Die sehr reine und sauerstoffreiche Luft, als auch die heilende Erde machte aus dem im Mittelalter beliebten Pilgerort einen ebenso anerkannten Kurort. Stadtförster Zimmermann ließ 1900 sogleich einen wunderschönen Kurpark anlegen. Aus dem „Santiago des Nordens“ wurde 1929 offiziell Bad Wilsnack. Zu Ehren des Stadtförsters Gustav Zimmermann, der erheblich dazu beitrug, dass aus dem Luftkurort ein Eisenmoorbad wurde, wurde 2006 vor der Kurhalle ein Gedenkstein eingeweiht.

Die Kur- und Gradier-Therme in Bad Wilsnack werden heute noch gut besucht. Ebenso wie das Wahrzeichen der Stadt, die berühmte Wunderblutkirche St. Nikolai, die unmittelbar an der Großen Straße steht und das Stadtbild des Kurortes prägt. In der Zeit der Wende – 1989/1990 – schrieb die Wunderblutkirche noch einmal Geschichte. In der Wallfahrtskirche versammelten sich an einem Montag im Oktober 1989 erstmals Tausende von Menschen zum Friedensgebet. Von der Wunderblutkirche aus folgte ein Kerzenumzug durch die Kurstadt, der mit den friedlichen Montagsdemonstrationen in den Großstädten der DDR vergleichbar war.

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